Menschenzentrierte, KI-gestützte Prozessmodellierung: Wie Arbeitswissen sichtbar wird
3 | Riga
15.09.2026, 12:45 - 13:00 MESZ
Prozesswissen steckt meist in den Köpfen von Mitarbeitenden: Sie wissen, wie Arbeit tatsächlich funktioniert, wo Abstimmungen nötig sind, welche Ausnahmen auftreten und welche Entscheidungen im Alltag getroffen werden müssen. Dieses Wissen gemeinsam nutzbar zu machen, ist jedoch oft schwierig, weil klassische Prozessmodellierung viel Zeit, methodisches Vorwissen und Übersetzungsarbeit erfordert.
Wir zeigen ein partizipatives Workshop-Setting, in dem Stakeholder ihre Arbeitsrealität zunächst in Alltagssprache beschreiben, reflektieren und gemeinsam weiterentwickeln. KI unterstützt diesen Prozess, indem sie die Diskussionen in Echtzeit strukturiert und in BPMN-Modelle überführt, also in standardisierte grafische Darstellungen von Arbeitsabläufen. Gleichzeitig hilft sie dabei, Rollen, Ausnahmen und Entscheidungsregeln sichtbar zu machen. Im Human-Centered AI and Process Management Lab (HAIProLab) der UniBw München haben wir hierfür eine Referenzarchitektur entwickelt. Das Ergebnis ist eine skalierbare Blaupause für kollaboratives Prozessverständnis und belastbare IST-Modelle als Grundlage für zukunftsfähige Arbeitsgestaltung.
Wir geben Einblick in das HAIProLab als Experimentierraum für menschenzentrierte KI in der Prozessarbeit und stellen unsere Referenzarchitektur als praxisnahen Blueprint vor. Anhand eines kompakten Beispiels zeigen wir, wie aus einem moderierten Prozessgespräch Schritt für Schritt ein gemeinsam abgestimmtes IST-BPMN entsteht und welche Rolle Moderation und KI dabei übernehmen. Abschließend verorten wir unseren Beitrag als gestaltungsorientierten Forschungsansatz: In iterativen Zyklen entwickeln und evaluieren wir, wie Prozesse und Arbeitsabläufe mithilfe von KI menschzentriert, kollaborativ und kontinuierlich verbessert werden können. Ziel ist es, daraus übertragbare Gestaltungsempfehlungen für die Arbeitswelt von morgen abzuleiten.