Energiewende: Ja, aber ...
zuletzt aktualisiert: 17. February 2026
Die meisten Beschäftigten in Deutschland stehen hinter der Energiewende. Eine Studie von Felix Schulz und Vera Trappmann mit dem Titel »Wie blicken Arbeitnehmer:innen auf die Energiewende? - Eine Analyse entlang politischer Parteipräferenzen« zeigt aber auch: Je nach politischer Ausrichtung gehen die Meinungen weit auseinander. Vor allem die Angst vor steigenden Kosten und unsicheren Jobs treibt viele um. Doch es gibt einen Punkt, an dem sich fast alle einig sind.

Die Energiewende ist eines der zentralen Projekte unserer Zeit – und eine Mehrheit der Arbeitnehmer*innen in Deutschland steht dahinter. 59 Prozent der Beschäftigten halten die Transformation für »unabdingbar«, um die Klimaziele zu erreichen. Doch der breite Konsens bröckelt, sobald es konkret wird. Die Studie legt offen, wie tief die Gräben entlang politischer Parteigrenzen verlaufen. Während Anhänger*innen von SPD, Grünen und Die Linke die Wende klar befürworten, überwiegt bei Wähler*innen von AfD und BSW die Skepsis. Was jedoch überrascht: Über alle politischen Lager hinweg gibt es eine starke gemeinsame Basis für eine sozial gerechte Ausgestaltung.
»Interessant ist allerdings, dass die Kopplung staatlicher Förderungen an gute Arbeitsbedingungen sowie eine stärkere demokratische und finanzielle Teilhabe auch über die skizzierten parteipolitischen Differenzen hinaus eine Mehrheit finden.«
Eine Frage der Parteipräferenz
Die Zustimmung zur Energiewende ist eine Frage der politischen Heimat. Das belegen die Zahlen der Studie eindrücklich. Während Anhänger*innen der Grünen (93 Prozent), der Linken (90 Prozent) und der SPD (83 Prozent) die Notwendigkeit der Energiewende mit großer Mehrheit anerkennen, sieht das Bild bei anderen Parteien anders aus. Unter den Wähler*innen von CDU/CSU und FDP ist es immer noch eine solide Zweidrittelmehrheit (jeweils 67 Prozent), doch bei den Anhänger*innen von BSW (41 Prozent) und AfD (23 Prozent) ist die Zustimmung verschwindend gering.
Diese Spaltung ist kein Zufall, sondern speist sich aus tief sitzenden Sorgen. Es ist vor allem die Angst vor den sozioökonomischen Folgen, die viele Beschäftigte umtreibt. Weniger als die Hälfte geht davon aus, dass die Energiewende neue Jobs schaffen wird (47 Prozent). Noch weniger glauben, dass diese auch gut bezahlt sein werden (36 Prozent) oder dass die Energiepreise sinken (29 Prozent). Diese Skepsis ist bei den Wähler*innen von AfD und BSW besonders stark ausgeprägt. Die Studie zeigt, dass diese Gruppen nicht pauschal gegen Klimaschutz sind, sondern ihre Haltung stark von den erwarteten Kosten und den Auswirkungen auf ihre Arbeitsplätze abhängt. Interessanterweise lässt sich diese Haltung nicht allein durch den eigenen Geldbeutel oder Bildungsgrad erklären. Die Analysen zeigen, dass die abweichenden Meinungen auch dann bestehen bleiben, wenn diese sozioökonomischen Faktoren herausgerechnet werden.
Die Brücke über den Graben: Gute Arbeit und Mitbestimmung
Wo die Meinungen zu Windrädern, Kohle und Atomkraft auseinanderdriften, zeigt sich bei zwei Themen ein erstaunlich breiter Konsens. Die Idee, die Energiewende sozial zu gestalten, verbindet die politischen Lager. Eine klare Mehrheit von 68 Prozent der Beschäftigten fordert, staatliche Fördergelder für erneuerbare Energien an gute Arbeitsbedingungen zu knüpfen. Dieser Wunsch zieht sich durch fast alle Wähler*innengruppen: Selbst unter den sonst so kritischen Anhänger:innen von AfD (55 Prozent) und BSW (70 Prozent) findet dieser Vorschlag eine Mehrheit.
Auch mehr Demokratie bei der Umsetzung ist ein gemeinsames Anliegen: 57 Prozent sind überzeugt, dass die Energiewende erfolgreicher wird, wenn Bürger*innen und Beschäftigte mitbestimmen können. Hier ist die Zustimmung bei Anhänger*innen des BSW (67 Prozent) und der Linken (71 Prozent) sogar besonders hoch. Diese Zahlen sind ein klares Signal an die Politik: Der Weg zu einer erfolgreichen Transformation führt über faire Löhne, sichere Jobs und echte Teilhabe. Es ist der Schlüssel, um Vertrauen zu schaffen und die notwendige breite Unterstützung für die gewaltige Aufgabe der Energiewende zu sichern.